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  • Sabine Hummerich

Ist wirklich alles schon entschieden?

Spoiler vorweg: Nein. Warum? lest Ihr ganz am Schluss.

bre.11.02.2020 Glaubt man Weser - Kurier und buten & binnen, ist der neue Gebäudekomplex an der Kohlhökerstraße so gut wie gebaut. Schade eigentlich, denn die Aussicht wird dann ziemlich bedrückend werden.

So ungefähr wird das werden, jedenfalls nach dem, was Beirat und Evoreal uns am 04.02.2020 erzählt haben. Das wird schon ziemlich massig.

Aber es geht ja um 56 Wohnungen im sozialen Wohnungsbau. Die sind wichtig, und alle, die das nicht einsehen, wollen nur keine neuen Nachbarn haben, sind sowie so reich, arrogant und egoistisch.

Äh, nein? Einige derjenigen, die sich gegen das Projekt in dieser Form wenden, tun das, weil sie einfach nicht einsehen wollen, dass das Profitinteresse von Investoren die Stadtpolitik bestimmen soll. Die einfach nicht verstehen wollen, wie eine Rot-Grün-Rote Regierung den Bauernfängereien eines entfesselten Kapitalismus auf den Leim gehen kann. Die sich für so machtlos hält, dass sie diesen ausgemachten Blödsinn mitmachen will.

Zurück zu den Fakten: 180 Wohnungen sollen es nun werden, die Zahlen haben auch am 04.02.2020 geschwankt, zwischen 160 und 180 jedenfalls. Davon sollen 30% Sozialwohnungen sein, die 23 % der Fläche einnehmen werden. Damit das alles "finanzierbar" bleibt, soll heißen, damit der Profit nicht geschmälert wird, werden nicht nur die 3 Stockwerke des ehemals geplanten Hochhauses umgesattelt, sondern es werden noch ein paar Quadratmeterchen in den ehemaligen Turm gebastelt, der dann keiner mehr ist, sondern nur noch ein massiver Schuhkarton, der in der Anlage rumsteht, zusammen mit den anderen Schuhkartons. Ups, schon wieder Meinung reingerasselt in den Infotext. Also, Hurrah, wir haben drei Stockwerke weniger auf der einen Seite und Na ja, ein paar Quadratmeter mehr zu der ohnehin schon für Wohnzwecke zu starken Verdichtung auf der anderen Seite. Wo da der Kompromiss ist, frage nicht nur ich mich. Dem Investor ist es letztlich egal, bekommt er doch mehr als er eigentlich haben wollte.

Zurück zur Überschrift. Ist wirklich alles schon entschieden? Nein. Derzeit bastelt die Baubehörde an der Vorlage, die die Baudeputation im März abstimmen will. Das macht die Behörde in enger Abstimmung mit dem Investor - ganz normaler Vorgang bei vorhaben bezogenen Bebauungsplänen, die laeinehaft ausgedrückt so eine Art Outsourcing von Stadtplanung sind. Die Baudeputation ist das Gremium, das vorentscheidet, ob sich die öffentlichen und privaten Interessen in dem Plan so halbwegs die Waage halten, und ob die Planung so gemacht werden soll. Stimmt die Deputation dem Plan zu, ist immer noch nichts endgültig entschieden, denn jetzt werden (kleiner Trommelwirbel) die Pläne ausgelegt, und alle Bürgerinnen und Bürger können Stellung nehmen. Alles, was sinnvoller Weise gegen die Planung eingeworfen werden kann, sollte auch eingeworfen werden. Physisch in den Briefkasten der Senatorin für (musste ich auch erst nachlesen) Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau.

Tada, im Hochhaus an der Contrescarpe, schräg gegenüber vom Finanzamt. Wir werden auf der Homepage einige Hinweise geben, wie solche Einwendungen aussehen können, bevor das aber möglich ist, muss erst der Antrag auf vorhabenbezogene Bebauungsplanänderung gestellt und ausgelegt worden sein. Wir sind gespannt, was da wohl auf den Tisch kommt, das sogenannte Gutachten zur Nach/Umnutzung war ja von ganz hervorragender Qualität (Ironie aus).

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