Bürgerinitiative Kein Hochhaus im Viertel

Aktuelles und Meinungen
Vergiftetes Weihnachtsgeschenk:
Nachnutzungs"gutachten" ist da
Wenig überraschend: "Gutachten" stellt Unwirtschaftlichkeit einer Umnutzung fest.

(bre.20.12.2019) Nachdem die Bürgerinitiative in Veranstaltungen und durch Gespräche den Beirat davon überzeugen konnte, ein Nachnutzungsgutachten einzufordern, haben wir dieses "Gutachten" heute erhalten. Wir gehen davon aus, dass Sie als Interessierte sich eine eigene Meinung zu diesem Gutachten bilden können und werden, und hoffentlich auch darüber sprechen, schreiben, diskutieren.

Frau Harttung vom Ortsamt übersandte uns das "Gutachten" vertraulich, war sich aber nicht zu schade, es wahrscheinlich mit gleicher Mail dem Weser-Kurier zu schicken, der dann auch gleich am Samstag, 21.12. berichtete.  Spannend.

Interessant sind auch die Ausgangsfragen, die sehr allgemein und schwammig gehalten waren - "ist... möglich" und die darauf folgenden Standardantworten "ist unwirtschaftlich" - ohne jedoch auch nur eine Kostenkalkulation zu bieten. Kein Wort auch - na gut, gefragt hatte das auch keiner - zu den Umweltbelastungen durch den Abriss, den Verlust der verbauten Energie, die Verschmutzung durch das Freisetzen von möglicherweise verbauten nicht so tollen Materialien. Spannend insgesamt, die Architekten in unserer Initiative werden sich in den kommenden Wochen mit dem Gutachten auseinandersetzen, und wir werden hier und an geeigneter Stelle unsere Sicht darlegen. 

Spannend auch, dass andernorts die Umnutzung auch älterer Bürogebäude, die Nachnutzung, möglich ist, und offensichtlich dann doch Profit abwirft. Nun ist es tatsächlich so, dass der Investor das Gutachten finanziert hat, die Fragen hat offensichtlich der Beirat unterbreitet, wer nun den Gutachter ausgesucht hat, ist nicht so ganz klar, eine Gemengelage, die uns schon im Vorfeld skeptisch gestimmt hat, nach dem nun vorliegenden Werk sind wir daher nicht allzu enttäuscht, es entspricht in jeder Hinsicht unseren Erwartungen, auch wenn es in einigen Punkten dann doch insoweit enttäuscht, als es zu offensichtlich vom gewollten Ergebnis her erstellt ist. Na gut, was soll man wohl erwarten?

Fragt man sich, wie sich unsere gewählten Vertreter dazu stellen, wie sie ihren Koalitionsvertrag und die Realität übereinbringen wollen. Wahrscheinlich nach dem Motto: das stammt noch aus der vorherigen Legislaturperiode, muss also durchgezogen werden und auch nicht an die Koalitionsvereinbarung angepasst werden.

Findet Ihr, finden Sie das in Ordnung?

Äußern Sie Ihre Meinung, schreiben Sie uns, an den Weser-Kurier, an Ihre Abgeordneten, an den Beirat.

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Worum es geht:

Auf dem Gelände der Landeszentralbank zwischen Kohlhökerstraße und Imre Nagy Weg soll eine neue Wohnanlage gebaut werden. Bestandteil dieser Wohnanlage sollte zunächst ein Hochhaus mit 14 Stockwerken sein. Dieses Hochhaus wäre dann ungefähr so hoch wie das GewobaHochhaus geworden. Inzwischen wurde die Planung angepasst und aus 45 Metern wurden 36,9 Meter bei 12 Stockwerken. Der aktuelle Diskussionsstand liegt bei 11 Stockwerken und weiterhin gleichbleibender Nutzfläche, also mehr Baukörpermasse in den Innenbereich. Nach unserem Kenntnisstand sollen die Wohnungen, die nicht mehr ins Hochhaus kommen, in der Eckbebauung Salvador Allende Straße/Kohlhökerstraße aufgestockt werden. Insoweit sieht die Planung eine Verdichtung vor, die das Maß gesunder Wohnbebauung und auch den Rahmen bremischer Urbanität sprengt.

Was können wir noch tun?

Seit Anfang des Jahres haben wir erreicht, dass zumindest eine kleine Diskussion begonnen hat. Das wird aber nicht reichen, um dieses monströse Projekt zu verhindern. Schon haben sich die Parteien der "Koa" Grüne, Linke und SPD darauf verständigt, dass doch 11 Stockwerke zumutbar sind. Die Grünen allen voran ignorieren, dass der Abriss eines Gebäudes mit der Masse der alten LZB ein Angriff auf die Umwelt und eine Frechheit gegenüber allen ist, die versuchen, den CO2 Fußabdruck klein zu halten.

Da wird auch gerne in die Trickkiste gegriffen, und die verbauten KMF verteufelt. Diese Dämmstoffe sind allerdings im schon verbauten Zustand nicht das Riesenproblem, erst wenn sie ausgebaut werden - so wie das bei einem Abriss unumgänglich ist, kommt es zu Problemen. Eine Beprobung ist überwiegend nicht erfolgt, bei der Eile, die das Gutachterbüro hatte, ein Tag Ortstermin wollte dann schon reichen, ist das auch kein Wunder. Wahrscheinlich erfolgt die Beprobung vor dem Abriss, und dann, Wunder geschehen dann doch, werden die Baustoffe gar nicht so schlimm sein. Bis dahin verbreitet der Weserkurier ungewöhnlich rasch und ungewöhnlich kritiklos, dass ein Umbau nicht möglich sei. Provinzieller geht es kaum noch.

Am 04. Februar will das Ortsamt das Gutachten der interessierten Öffentlichkeit vorstellen, es wäre schön, wenn Sie alle zahlreich und gut vorbereitet erscheinen würden.

Die größere Diskussion, wie soll sich unsere Stadt entwickeln, braucht Bremen wirklich ein Hochhaus nach dem nächsten oder geht moderne Verdichtung anders?

Wollen wir hinterher hinken und Bauten abreißen, die nicht reif für den Abriss sind, nur damit Gebäude errichtet werden, die energetisch am unteren Rand des gerade noch Zulässigen sind und von der Verdichtung her bestehendes Recht dreist übertreten? Kann man machen, kann man auch gut finden. Diskutiert werden sollte es aber, und vor allem: die Politiker sollten dann auch dazu stehen, dass geltendes Recht sie nicht die Bohne interessiert und dass sie lieber Investoren hofieren, die mit dem Resultat der Entscheidungen nicht leben müssen. Und dass sie nicht bereit sind, das zu tun, was ihnen zusteht und was auch ihre Pflicht ist: der Verwaltung die Richtung vorzugeben, und die Auswüchse der letzten Jahre und Jahrzehnte zu beenden.

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