Bürgerinitiative Kein Hochhaus im Viertel

Aktuelles und Meinungen
Podiumsdiskussion und Videopremiere am 17.09.2019

​Hier noch mal die Fragen:
Erhaltung des Ostertors als städtisches Kleinod mit seinem ganz speziellen
Viertelcharakter oder Ausdehnung der Bahnhofsvorstadt?
• Investorenrendite contra Anwohnerinteressen?
• Bremen auf dem Weg zur Hochhausstadt?
• Neu denken: Umnutzen statt Abriss? Lässt sich ein Abriss eines gerade einmal 35 Jahre
alten, mit erheblichen öffentlichen Mitteln errichteten Bauwerkes volkswirtschaftlich
rechtfertigen? Welche ökologischen Folgen hat die geplante Beseitigung der Baumassen
auch im Hinblick auf die CO₂-Bilanz der Stadt Bremen?
• Alternativen zum Abriss, sinnvolle Nutzung der Bestandsbauten?
Auf dem Podium versuchten die Vertreter der großen Bürgerschaftsfraktionen die Positionen darzustellen:

Für die SPD: Abweichend von der Anküdigung Beiratsmitglied Birgit Olbrich

Für die Grünen: Bürgerschaftsmitglied und baupolitischer Sprecher Robert Bücking
Für die Linken: wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraktion Dr. Christoph Spehr
Für die CDU: Bürgerschaftsmitglied Hartmut Bodeit

Hier ein Auszug aus unserer Presseerklärung:

Nach Eingangs-Statements der Parteivertreter entspann sich sofort eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum. Der Saal war bis auf den letzten Stuhl besetzt. Es wurde sehr schnell deutlich, dass das Hochhausprojekt des Investors Evoreal für die Kohlhökerstraße auf fast geschlossene Ablehnung im Auditorium stieß.

 

Bemerkenswert war auf der Veranstaltung die Einlassung des Landesdenkmalpflegers Prof. Dr. Skalecki, der die Hochhausplanung des Investors für unvereinbar mit dem Schutz des Stadtbildes ansah - sowohl wegen der baulichen Situation im Ostertorviertel als auch wegen der Nähe zu den Wallanlagen. Er schloss seine einleuchtenden Ausführungen mit der Bemerkung, am besten zöge der Investor sein bisheriges Konzept zurück.

 

Aus der Versammlung heraus wurde eine Vielzahl von weiteren Einwendungen gegen das geplante Bauvorhaben vorgebracht.

  • Das erklärte Ziel der Regierungsparteien, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, werde mit dem Investorenprojekt weitgehend verfehlt. Da derzeit 75 % der Wohnungen nicht der Wohnungsbindung für Sozialwohnungen unterliegen werden, werde es hohe Verkaufspreise für diese frei finanzierten Wohnungen geben. Davon gehe der Investor aus, um eine entsprechende Rendite zu erzielen. Hohe Verkaufspreise wiederum würden, soweit die Wohnungen als Anlageobjekte gekauft werden, zu überdurchschnittlich hohen Mieten mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf das Mietpreisniveau im Viertel führen.

  • Die Verdichtung der vorgesehenen Wohnbebauung sei doppelt so hoch wie nach der Baunutzungsverordnung für Wohngebiete zulässig – und das in einem ohnehin hoch verdichteten Stadtquartier.

  • Eine Wohnbebauung im Viertel müsse maßstäblich und verhältnismäßig sein, was bei dem Investorenprojekt nicht der Fall sei.

  • Aus Gründen der Nachhaltigkeit müsste anstelle eines Abrisses des Gebäudes erst einmal untersucht werden, ob eine Umnutzung des bestehenden Baus an der Kohlhökerstraße in Betracht komme. Hier wurde auf die im Viertel dringend benötigten öffentlichen Einrichtungen hingewiesen, insbesondere auf den Raumbedarf der Bürgermeister-Smidt-Schule wegen der deutlich steigenden Schülerzahlen.

  • Nicht beachtet sei bisher die extreme Belastung der Salvador-Allende-Straße und der Kohlhökerstraße mit zusätzlichem Fahrzeugverkehr, wenn auf dem Investorenareal bis zu 170 Wohnungen geschaffen werden.

  • Ein Abriss des bisherigen Gebäudes bringe extreme Belastungen für die Schule und die sonstige Nachbarschaft. Dieser sei im Hinblick auf die CO₂-Bilanz für die Stadt Bremen insgesamt negat

  • Das Viertel verliere seine besondere, für Bewohner und Touristen gleichermaßen hohe urbane Qualität, wenn die Hochhausbebauung in das Viertel hinein weiter vordringe und damit eine Erweiterung der Bahnhofsvorstadt zu Lasten des Ostertorviertels erfolge.

  • Eine Ausweitung von Grünbereichen in der Nähe eines Hochhauses mache keinen Sinn, weil wegen der häufigen Verwirbelungen am Fuße eines solchen Gebäudes dort weder eine Aufenthaltsqualität für Erwachsene noch akzeptable Spielmöglichkeiten für Kinder bestünden.

  • Schließlich dürfe es bei den politischen Entscheidungen keine Orientierung an dem Renditeinteresse eines Investors geben, vielmehr müssten entscheidungsleitend ausschließlich die kommunalen Erfordernisse sein, die von der bremischen Stadtplanung eigenverantwortlich zu ermitteln sei. Dabei sei die Einbeziehung der Bewohner in jeder Phase des Verfahrens geboten.

 

Die Vertreter der Parteien hielten sich mit konkreten Aussagen zurück. Sie versprachen aber, über die Diskussionsbeiträge auf der Veranstaltung nachzudenken.
Der Bürgerschaftsabgeordnete Hartmut Bodeit von der CDU betonte, dass die Einbeziehung der Bürger sehr wichtig sei und er den Eindruck gewonnen habe, dass dieses bei dem Hochhausprojekt bisher unzureichend erfolgt sei.

Birgit Olbrich, SPD-Mitglied im Beirat Mitte, kündigte an, dass über die Frage einer Umnutzung des bestehenden Gebäudes nachgedacht werden müsse. Dieses habe bei ihr bisher nicht im Vordergrund gestanden. Sie sei jetzt dafür, hierzu ein Gutachten einzufordern. Außerdem versprach sie, dass der Beirat Mitte auf einer öffentlichen Beiratssitzung das Thema Hochhaus Kohlhökerstraße beraten werde, wenn der Beirat in dieser Angelegenheit offiziell befasst werde.

 

Der baupolitische Sprecher der Grünen, Robert Bücking, sprach sich im Grundsatz für das Bauvorhaben aus, meinte jedoch, dass bei der Höhe noch eine Reduzierung auf 11 Geschosse vorgenommen werden sollte.

Christoph Spehr, früherer Landessprecher der Linken, sah den Bau von Hochhäusern generell als kritisch an, hielt jedoch eine Wohnbebauung des Bundesbankgrundstücks prinzipiell für richtig.

Susanne Kopp-Jäger erklärte als Sprecherin der Bürgerinitiative abschließend, dass diese sich in erster Linie für eine Umnutzung des vorhandenen Gebäudes ausspreche. Für den Fall einer Neubebauung müsste auf jeden Fall die Maßstäblichkeit mit Blick auf die Höhe und die Verdichtung gewahrt bleiben. Gegen das jetzige Projekt werde die Bürgerinitiative weiterhin vorgehen.

Fazit: Die Grünen finden laut ihrem Sprecher das Projekt prima, vielleicht ein bisschen zu hoch das Hochhaus, aber die Verdichtung ist doch kein Problem. Herr Bücking meint, nach einiger Zeit würden die Mieten sowieso sinken, und je mehr Wohnungen, desto besser.

Bemerkenswert ist, dass Ostertor, Steintor und Viertel nicht von der auf Basis des Bremischen Wohnraumschutzgesetzes erlassenen Verordnung von besonders von Wohnungsnot betroffenen Gebieten erfasst sind. Ohnehin ist das im letzten Jahr verabschiedete Gesetz im Vergleich zum Beispiel mit der Hamburger Version eine Mogelpackung. 

An dieser Stelle noch mal ein dickes Dankeschön an Willy Schwarz und Jürgen Köster, die mit viel Energie dieses Video möglich gemacht haben:

 

 

 

Worum es geht:

Auf dem Gelände der Landeszentralbank zwischen Kohlhökerstraße und Imre Nagy Weg soll eine neue Wohnanlage gebaut werden. Bestandteil dieser Wohnanlage sollte zunächst ein Hochhaus mit 14 Stockwerken sein. Dieses Hochhaus wäre dann ungefähr so hoch wie das GewobaHochhaus geworden. Inzwischen wurde die Planung angepasst und aus 45 Metern wurden 36,9 Meter bei 12 Stockwerken. Nach unserem Kenntnisstand sollen die Wohnungen, die nicht mehr ins Hochhaus kommen, in der Eckbebauung Salvador Allende Straße/Kohlhökerstraße aufgestockt werden. Insoweit sieht die Planung eine Verdichtung vor, die das Maß gesunder Wohnbebauung und auch den Rahmen bremischer Urbanität sprengt.

Was können wir noch tun?

Nach der Podiumsdiskussion am 23.04. geht es natürlich mit Infoständen weiter, wer sich beteiligen will, ist herzlich willkommen, wer sich informieren, diskutieren will, natürlich sowieso.

Buten und Binnen hatte eine Umfrage zum Thema Stadtentwicklung, und im Wahlkampf war Bauen in der Stadt ein Riesenthema. am 07.05. hat die Bürgerinitiative Blumenstraße vor der Bürgerschaft demonstriert. Die Abstimmung in der Bürgerschaft ist allerdings vertagt worden.

In der Blumenstraße ist es so: die Baudeputation hat den Antrag auf Vorhabenbezogene Bebauungsplanänderung durchgewunken, trotz Bedenken, trotz erheblich über die nach dem geltenden Bebauungsplan zulässige Dichte und Geschoßhöhe hinausgehendem Antrag. Zack, Investition vor Recht? Wohnraum um jeden Preis?

Das ist die Diskussion, die wir alle führen müssen, wenn wir nicht wollen, dass Einzelne unsere Stadt nach Belieben verändern.

Ich möchte beim Infostand helfen

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