Bürgerinitiative Kein Hochhaus im Viertel

TAG X: 25.05.2020

Entwurf liegt aus, erste Einsichtnahmen erfolgt, trotz der Aussage, dieses sei in diesen Zeiten die absolute Ausnahme.

Im Weser-Kurier vom 14.05.2020 fand sich die Ankündigung: die von der Baudeputation im Umlaufverfahren beschlossene Auslegung der Unterlagen zum vorhaben bezogenen Bebauungsplan findet statt.

Vom 25.05.2020 bis 06.07.2020 können die Unterlagen bei der Senatorin für Klimaschutz Stadtplanung und all dem anderen Zinnober im Hochhaus an der Contrescarpe eingesehen werden. Die Zeiten sind begrenzt, um Anmeldung wird gebeten, die Telefonnummer in den amtlichen Bekanntmachungen ist wohl eher ein Druckfehler. Na ja.

Bitte meldet Euch zahlreich zur Einsichtnahme an.

 

Telefonnummer: 0421 361 2375

Geht zahlreich hin, macht Termine, auch zu zweit ist das möglich, lasst Euch nicht abschrecken.

Die Einsichtnahme ist auch online möglich. Dort müsst Ihr dann in das leere Feld  0143 eingeben, dann erscheint der Plan für die Kohlhökerstraße. 25.05.2020 auch zum Download über Bremen Dataport bereit gestellt.

Grundlage dieses Planes ist der Beschluss der Baudeputation im Umlaufverfahren, eine lustige Methode, ganz zu Anfang der Coronaphase mal so eben durchgedrückt.

Es geht aber auch offline, ganz gemütlich analog, ein Besuch bei der Senatorin ist immer sehr erquickend.

Wenn Ihr auch aktiv werden wollt: es wird ein paar sachdienliche Hinweise zum Verfassen von Einwendungen auf dieser Seite geben, ein paar Mustertexte und auch Infos.

Zum Vorgehen im Umlaufverfahren hatte ich hier ja schon geschrieben, das ist ins Archiv gewandert, Nachtrag dazu: Gespräche mit Deputierten zeigten, dass die keine Ahnung hatten, was sie da durchgewunken haben, sie wurden von ihren Fraktionen  eingenordet, und nickten einfach mal ab. Super.  (Gilt nicht für alle)

Worum es geht:

Auf dem Gelände der Landeszentralbank zwischen Kohlhökerstraße und Imre Nagy Weg soll eine neue Wohnanlage gebaut werden. Bestandteil dieser Wohnanlage sollte zunächst ein Hochhaus mit 14 Stockwerken sein. Dieses Hochhaus wäre dann ungefähr so hoch wie das GewobaHochhaus geworden. Inzwischen wurde die Planung angepasst und aus 45 Metern wurden 33 Meter bei 11 Stockwerken. Die Nutzfläche soll mittlerweile noch vergrößert werden, weil ja der Sozialwohnungsanteil von 25% auf 30 erhöht wurde. Es kommt also deutlich mehr Baukörpermasse in den Innenbereich. Ein Teil der Wohnungen, die nicht mehr ins Hochhaus kommen, sollen in der Eckbebauung Salvador Allende Straße/Kohlhökerstraße aufgestockt werden. Insoweit sieht die Planung eine Verdichtung vor, die das Maß gesunder Wohnbebauung und auch den Rahmen bremischer Urbanität sprengt.

Stand der Dinge

Seit Anfang 2019  haben wir erreicht, dass zumindest eine kleine Diskussion begonnen hat. Das wird aber nicht reichen, um dieses monströse Projekt zu verhindern. Schon haben sich die Parteien der "Koa" Grüne, Linke und SPD darauf verständigt, dass doch 11 Stockwerke zumutbar sind. Die Grünen allen voran ignorieren, dass der Abriss eines Gebäudes mit der Masse der alten LZB ein Angriff auf die Umwelt und eine Frechheit gegenüber allen ist, die versuchen, den CO2 Fußabdruck klein zu halten.

Da wird auch gerne in die Trickkiste gegriffen, und die verbauten KMF verteufelt. Diese Dämmstoffe sind allerdings im schon verbauten Zustand nicht das Riesenproblem, erst wenn sie ausgebaut werden - so wie das bei einem Abriss unumgänglich ist, kommt es zu Problemen. Eine Beprobung ist überwiegend nicht erfolgt, bei der Eile, die das Gutachterbüro hatte, ein Tag Ortstermin wollte dann schon reichen, ist das auch kein Wunder. Wahrscheinlich erfolgt die Beprobung vor dem Abriss, und dann, Wunder geschehen dann doch, werden die Baustoffe gar nicht so schlimm sein. Bis dahin verbreitet der Weserkurier ungewöhnlich rasch und ungewöhnlich kritiklos, dass ein Umbau nicht möglich sei. Provinzieller geht es kaum noch.

Am 04. Februar hat das Ortsamt das Gutachten der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt, es waren viele Anwohner*innen da, hier das Gutachten, zum Nachlesen.

Die größere Diskussion, wie soll sich unsere Stadt entwickeln, braucht Bremen wirklich ein Hochhaus nach dem nächsten oder geht moderne Verdichtung anders? wurde und wird nicht geführt, der Wohnungsnotstand als allgegenwärtige Drohung macht blind für alle Argumente, die gegen einen Abriss sprechen.

Wollen wir hinterher hinken und Bauten abreißen, die nicht reif für den Abriss sind, nur damit Gebäude errichtet werden, die energetisch am unteren Rand des gerade noch Zulässigen sind und von der Verdichtung her bestehendes Recht dreist übertreten? Kann man machen, kann man auch gut finden. Diskutiert werden sollte es aber, und vor allem: die Politiker sollten dann auch dazu stehen, dass geltendes Recht sie nicht die Bohne interessiert und dass sie lieber Investoren hofieren, die mit dem Resultat der Entscheidungen nicht leben müssen. Und dass sie nicht bereit sind, das zu tun, was ihnen zusteht und was auch ihre Pflicht ist: der Verwaltung die Richtung vorzugeben, und die Auswüchse der letzten Jahre und Jahrzehnte zu beenden.

Derzeit sieht es so aus:

Die Bauverwaltung bereitet in Absprache mit Politik und Investor den Entwurf eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes vor.

Dieser soll am 26.  März in der Baudeputation  beraten und verabschiedet werden.

Danach soll die Stadtbürgerschaft zustimmen, und dann kann der Plan ausgelegt werden. Wir sind also langsam in die heiße Phase.

Gegen den Plan können nämlich alle Bürger*innen Einwendungen erheben, und das sollten wir wohl auch alle tun.

Bleibt, bleiben Sie informiert, es wird hier Formulierungshilfen und Anregungen geben für zahlreiche Einwendungen.

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