Bürgerinitiative Kein Hochhaus im Viertel

Das Hochhaus kommt ! Nicht.

Buten & Binnen, der Weser-Kurier, selbst unsere neue Baustaatsrätin sagen es, da muss es ja stimmen.

Eher nicht so. Stark verkürzte Realitätswahrnehmung unter Auslassung der demokratischen Prozesse in der Stadtplanung.

Also: der Beirat östliche Vorstadt hat beschlossen: wenn das Gebäude in der Kohlhökerstraße abgerissen wird, befürwortet der Beirat eine Wohnbebauung.

Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Hat der Beirat irgendwas in der Sache zu entscheiden?

Nein.

Ganz klar nicht, es geht jetzt den gesetzlichen Gang: Baubehörde bastelt Vorlage, Vorlage geht an Baudeputation, Baudeputation hat angekündigt, dass sie durchwinken will, Antrag auf Änderung des Bebauungsplans in einen Vorhabenbezogenen Bebauungsplan wird ausgelegt/Veröffentlicht, 4 Wochen Zeit für alle Bürgerinnen und Bürger, der Baubehörde mitzuteilen, was ihnen an dem Plan nicht gefällt.

Dann hat die Baubehörde alle Einwendungen zu prüfen.

Und dann sehen wir weiter.

Also: es fängt gerade erst an, lasst Euch, lassen Sie sich nicht durch eine schlecht recherchierte Presseberichterstattung (das war so dermaßen neben der Realität, dass es weh tut, lieber buten & binnen Kommentator, vielleicht dann doch mal wieder einen Auffrischungskurs: Kommentare, die sich an der Realität abarbeiten und nicht frei erfundene Märchenstunde, nach dem Motto, "ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt") verunsichern und entmutigen.

Es gibt Gesetze. Die sind dafür da, dass sie angewandt werden, dass sie befolgt werden.

AUCH von unseren Abgeordneten und Deputierten. Sogar von der Baubehörde.

Worum es geht:

Auf dem Gelände der Landeszentralbank zwischen Kohlhökerstraße und Imre Nagy Weg soll eine neue Wohnanlage gebaut werden. Bestandteil dieser Wohnanlage sollte zunächst ein Hochhaus mit 14 Stockwerken sein. Dieses Hochhaus wäre dann ungefähr so hoch wie das GewobaHochhaus geworden. Inzwischen wurde die Planung angepasst und aus 45 Metern wurden 33 Meter bei 11 Stockwerken. Die Nutzfläche soll mittlerweile noch vergrößert werden, weil ja der Sozialwohnungsanteil von 25% auf 30 erhöht wurde. Es kommt also deutlich mehr Baukörpermasse in den Innenbereich. Ein Teil der Wohnungen, die nicht mehr ins Hochhaus kommen, sollen in der Eckbebauung Salvador Allende Straße/Kohlhökerstraße aufgestockt werden. Insoweit sieht die Planung eine Verdichtung vor, die das Maß gesunder Wohnbebauung und auch den Rahmen bremischer Urbanität sprengt.

Stand der Dinge

Seit Anfang 2019  haben wir erreicht, dass zumindest eine kleine Diskussion begonnen hat. Das wird aber nicht reichen, um dieses monströse Projekt zu verhindern. Schon haben sich die Parteien der "Koa" Grüne, Linke und SPD darauf verständigt, dass doch 11 Stockwerke zumutbar sind. Die Grünen allen voran ignorieren, dass der Abriss eines Gebäudes mit der Masse der alten LZB ein Angriff auf die Umwelt und eine Frechheit gegenüber allen ist, die versuchen, den CO2 Fußabdruck klein zu halten.

Da wird auch gerne in die Trickkiste gegriffen, und die verbauten KMF verteufelt. Diese Dämmstoffe sind allerdings im schon verbauten Zustand nicht das Riesenproblem, erst wenn sie ausgebaut werden - so wie das bei einem Abriss unumgänglich ist, kommt es zu Problemen. Eine Beprobung ist überwiegend nicht erfolgt, bei der Eile, die das Gutachterbüro hatte, ein Tag Ortstermin wollte dann schon reichen, ist das auch kein Wunder. Wahrscheinlich erfolgt die Beprobung vor dem Abriss, und dann, Wunder geschehen dann doch, werden die Baustoffe gar nicht so schlimm sein. Bis dahin verbreitet der Weserkurier ungewöhnlich rasch und ungewöhnlich kritiklos, dass ein Umbau nicht möglich sei. Provinzieller geht es kaum noch.

Am 04. Februar hat das Ortsamt das Gutachten der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt, es waren viele Anwohner*innen da, hier das Gutachten, zum Nachlesen.

Die größere Diskussion, wie soll sich unsere Stadt entwickeln, braucht Bremen wirklich ein Hochhaus nach dem nächsten oder geht moderne Verdichtung anders? wurde und wird nicht geführt, der Wohnungsnotstand als allgegenwärtige Drohung macht blind für alle Argumente, die gegen einen Abriss sprechen.

Wollen wir hinterher hinken und Bauten abreißen, die nicht reif für den Abriss sind, nur damit Gebäude errichtet werden, die energetisch am unteren Rand des gerade noch Zulässigen sind und von der Verdichtung her bestehendes Recht dreist übertreten? Kann man machen, kann man auch gut finden. Diskutiert werden sollte es aber, und vor allem: die Politiker sollten dann auch dazu stehen, dass geltendes Recht sie nicht die Bohne interessiert und dass sie lieber Investoren hofieren, die mit dem Resultat der Entscheidungen nicht leben müssen. Und dass sie nicht bereit sind, das zu tun, was ihnen zusteht und was auch ihre Pflicht ist: der Verwaltung die Richtung vorzugeben, und die Auswüchse der letzten Jahre und Jahrzehnte zu beenden.

Derzeit sieht es so aus:

Die Bauverwaltung bereitet in Absprache mit Politik und Investor den Entwurf eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes vor.

Dieser soll im März in der Baudeputation  beraten und verabschiedet werden.

Danach soll die Stadtbürgerschaft zustimmen, und dann kann der Plan ausgelegt werden. Wir kommen also langsam in die heiße Phase.

Gegen den Plan können nämlich alle Bürger*innen Einwendungen erheben, und das sollten wir wohl auch alle tun.

Bleibt, bleiben Sie informiert, es wird hier Formulierungshilfen und Anregungen geben für zahlreiche Einwendungen.

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